Biografien

Anarche Kollektiv Berlin

Die Anarche, eine schwimmendes open-space Kollektiv aus Berlin, gibt es seit sechs Jahren. Nach zweijähriger Mittelbeschaffung und Bauzeit stach das Schiff 2013 erstmals in See. Seitdem richtet es in Zusammenarbeit mit verschiedenen Gruppen und Aktivisten diverse politische, kulturelle und künstlerische Events aus. Seit ihrer Gründung ist die 'Anarche' mit der schwierigen Aufgabe der selbstständigen Finanzierung konfrontiert, jedoch gleichzeitig bestrebt ohne Rücksicht auf finanzielle Mittel einen Raum für Projekte bieten zu können. 

Marco Baravalle

Marco Baravalle spielt eine zentrale Rolle bei S.a.L.E. Docks, einem unabhängigen Raum für bildende Kunst, Aktivismus und experimentelles Theater, ansässig in einer stillgelegten Salz-Lagerhalle in Dorsoduro, Venedig. Das Projekt wurde 2007 gegründet und veranstaltet Treffen von Aktivistengruppen, Ausstellungen und Filmvorführungen. Zusätzlich zu seiner vielfältigen Tätigkeit als Programmmanager bei S.a.L.E. Docks ist Baravalle Mitglied von Comitato No Grandi Navi (No Big Ships Committee), welches Proteste gegen große Kreuzfahrtschiffe in Venedig anführt. Außerdem ist er bei NO MOSE (No MOdulo Sperimentale Elettromeccanico, Experimental Electromechanical Module) involviert, die sich dem untauglichen Flut-Schutz Projekt Venedigs widersetzen, dass kürzlich im Zentrum eines Korruptionsskandals stand. Baravalle recherchiert außerdem zu kreativer Arbeit und inwiefern Kunst von neoliberaler Wirtschaft beeinflusst wird. 

Keller Easterling

Keller Easterling ist Architektin und Autorin. Ihr neustes Buch, Extrastatecraft: The Power of Infrastructure Space (Verso, 2014), untersucht Netzwerke globaler Infrastrukturen als Medien politischer Ordnung. Ein weiteres Buch, Substraction (Sternberg Press, 2014), betrachtet Gebäudeentfernung oder wie die Entwicklungsmaschine umzukehren ist.

Easterlings Forschung und Schreiben war Teil der Biennale in Venedig 2014. Außerdem wurden ihre Arbeiten im Museum Storefront for Art and Architecture in New York, der Biennale Rotterdam und in der Architectural League in New York ausgestellt. Sie lehrt und veröffentlicht in den USA und auch weltweit. Bevor Easterling an die Yale Universität kam, unterrichtete sie an der Columbia Universität.

 

Constance Hockaday

Constance Hockaday ist chilenisch-amerikanischer Herkunft und begann schon mit 19 Jahren künstlerische maritime „outsider“ Projekte zu entwickeln, als sie sich den Floating Neutrinos, einer Wanderfamilie, die in selbstgebauten Schiffen die Welt umsegeln, anschloss. 2006 kollaborierte sie mit Swimming Cities und dem Straßenkünstler Swoon und ließ schwimmende Skulpturen den Hudson, Mississippi und die Adria entlang segeln. 2011 entwickelte sie im New Yorker Stadtteil Queens das Projekt the Boatel, ein schwimmender Raum für Kunst aus geborgenen und anschließend erneuerten Schiffen, die gleichzeitig auch als Hotel funktionierten. Ihre Bemühung New Yorker mit ihren Ufer- und Hafengebieten wiederzuvereinen zog mehr als 5000 Besucher an und bescherte Hockaday internationalen Beifall.

 

Die Perfomance-Installation All These Darlings and Now Us ist ihr neuestes Projekt und wurde von der New York Times als „Kommentar zu den Kräften der Technisierung und Gentrifizierung, die San Francisco aufwühlen“ beschrieben. Das Projekt beleuchtet die Entwurzelung von San Franciscos queerer Community: Mehr als 1000 Menschen sahen die Peepshow Performance mit Künstlern von zwei kürzlich geschlossenen, legendären queeren Clubs, the Lusty Lady and Esta Noche, auf  verankerten Segelbooten. 

Ranjit Kandalgaonkar

Ranjit Kandalgaonkar lebt und arbeitet in Mumbai. Der Fokus seiner künstlerischen Arbeit liegt auf dem urbanen Raum von Städten. Das derzeit laufende Projekt ‚cityinflux’ ist ein zentrales Beispiel seiner urbanen Praxis. Ranjit erhielt The Leverhulm Trust Artist in Residence Award (2012) für ein interaktives Spiel auf Marktplätzen genannt ‚build/browse’, einen Majlis Visual Arts Fellowship (2007) für das Projekt ‚Gentricity’, das Lebensbedingungen in Mumbai thematisiert, einen U.D.R.I Architectural Fellowship (2009) für ein Forschungsprojekt zum philanthropischen Verhalten in Gemeinden von Mumbai und jüngst den Wellcome Trust funded Seed Award (2016) für Feld- und Archivforschung über mildtätige Stiftungen im Bereich Hygiene und Gesundheit im kolonialen Bombay. In ‚7 Isles Unclaimed’ (2014) macht Kandalgaonkar die Landgewinnungsmaßnahmen und damit einhergehenden Verbindung der sieben Inseln ungeschehen, indem er über fiktive alternative Szenarien spekuliert. Das vom Mohile Parikh Centre kuratierte Projekt ‚Isles Amidst Reclamation’ (2015) dokumentiert die originale Flora und Fauna der Stadt, die der Landgewinnung zum Opfer fiel. ‚Modelled Recycled Systems’ (2008-) beschäftigt sich als Langzeitprojekt mit der Praxis des Schiffbruchs. Ein Teil dieser Arbeit war vor kurzem im Bergen Assembly, auf der Art & Research Trienniale 2016 zu sehen.

Marcus Rediker

Marcus Rediker wuchs im Arbeitermilieu Kentuckys auf. Seinen Bachelor schloss Rediker an der Virginia Commonwealth University ab und absolvierte seinen Master und PhD in Geschichte an der University of Pittsburgh. Er lehrte an der Georgetown University von 1982 bis 1994 und ist derzeit Ehrenprofessor für Atlantikgeschichte an der University of Pittsburgh. Über die Jahre war und ist Rediker Teil von zahlreichen Friedensbewegungen, sowie Bewegungen für soziale Gerechtigkeit. Erst kürzlich setzte er sich in einer weltweiten Kampagne gegen die Todesstrafe ein.

Er ist unter anderem Autor und Koautor von The Many-Headed Hydra (2000, mit Peter Linebaugh), Villians of All Nations (2004), The Slave Ship (2007), Mutiny and Maritime, Radicalism in the Age of Revolution (2013), and Outlaws of the Atlantic (2014).
Rediker produzierte mit dem Filmemacher Tony Buba eine Dokumentation mit dem Titel ‚Ghosts of Amistad: In the Footsteps of the Rebels’. Auf einer Reise nach Sierra Leone geht er den lang verlassenen Ruinen der Lomboko auf die Spur, einer Sklavenfabrik, von der aus Amistad-Sklaven über See in die Neue Welt gebracht wurden.