ITI - Deutschland
Deutsches Zentrum des Internationalen Theaterinstituts
iti world
  • ITI - Preis 2017, Preisträgerin Yael Ronen. Foto: Yuka Niwayama

  • Theater der Welt 2017 in Hamburg. ITI in the Box, Foto: Jeannette Franke

  • Theater der Welt 2017 - Lady Eats Apple. Foto: Krafft Angerer

  • Theater der Welt 2017 - Du désir d'horizons, Salia Sanou. Foto: Laurent Philippe

  • Theater der Welt 2017 - Sanctuary, Brett Bailey. Foto: Kerstin Behrendt

  • Theaterpreis des Bundes 2017, Theater der Altmark, Stendal. Foto: Sabina Sabovic

35. ITI Weltkongress in Segovia (Spanien) beendet

"La Cáscara Amarga" - Studenten des Teatro Físico del Movimiento del Instituto Universitario de Danza Alicia Alonso (Foto: ITI)

Aktionsplan für bedrohte Künstler*innen auf den Weg gebracht

35. ITI-Weltkongress solidarisiert sich mit Leitung des Theaterfestivals in Akko (Israel)

Politisch bedrohte Künstler*innen können – gleich Journalist*innen – künftig mit einem Aktionsplan der UNESCO rechnen. Ein entsprechender Vorstoß, den maßgeblich das deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI) auf den Weg gebracht hat, wurde jetzt von der Generalversammlung des ITI-Weltverbandes einstimmig angenommen. „Angesichts von zunehmender Bedrohung und Verfolgung, denen Künstler*innen weltweit ausgesetzt sind, ist eine solcher Aktionsplan überfällig,“ sagte ITI-Direktor Thomas Engel im Anschluss an den 35. ITI-Weltkongress, der am Wochenende in Segovia (Spanien) zu Ende ging. Engel rechnet allerdings mit einem “langen und komplizierten Abstimmungsprozess“ unter den UNESCO-Mitgliedern. (Text der Deklaration Nr. 1, engl.)

Vom ITI-Weltkongress ohne Gegenstimmen angenommen wurde auch eine Solidaritätserklärung mit der künstlerischen Leitung des renommierten Theaterfestivals im israelischen Akko. Diese war aus Protest gegen die von der Stadt verfügte Absetzung der eingeladenen Produktion „Prisoners of the Occupation“ zurückgetreten. Das für Oktober geplante Festival wird daher erstmalig in seiner 38jährigen Geschichte ausgesetzt. „Prisoners of the Occupation“ von Einat Weizman beschreibt die Situation inhaftierter Palästinenser in israelischen Gefängnissen. (Text der Deklaration Nr. 2, engl.)

Das ITI wird sich, wie vom Weltkongress ebenfalls beschlossen, wegen der Visasituation für Künstler*innen aus außereuropäischen Ländern an das Europa-Parlament wenden, kündigte der deutsche ITI-Direktor an. Künstlermobilität und die Stärkung der Generation der jungen Theatermacher*innen würden auch im kommenden Jahr die Aktivitäten der nationalen Zentren des ITI-Weltverbandes bestimmen, in dem dieser sein 70. Jubiläum begeht. Für Prag, Paris und Da Nang (Vietnam) sind gesonderte Festveranstaltungen in Vorbereitung.

Die Delegierten der in Segovia anwesenden 56 Länder wählten zudem einen neuen Exekutivrat, dem Joachim Lux, Präsident des deutschen ITI-Zentrums, erneut angehört. Der neue Exekutivrat bestätigte Mohamed Al Afkham (Emirat Fujairah) für eine zweite Amtszeit als Präsident des Weltverbandes. Vizepräsidenten wurden Ji Guoping (China), Derek Goldman (USA), Hamadou Mandé (Burkina Faso) und Fabio Tolledi (Italien).

Theater der Welt 2017 // Bilanz: Über 47.000 Besucher an 18 Festivaltagen

Insgesamt besuchten über 47.000 Menschen in den vergangenen achtzehn Tagen die vielen internationalen Produktionen, das umfangreiche Diskurs- und Begleitprogramm, die zahlreichen Musikveranstaltungen, die Vermittlungsangebote und das Festivalzentrum HAVEN auf dem Baakenhöft in der HafenCity.

Mit rund 32.000 Besuchern der 44 internationalen Produktionen des Hauptprogramms und einer daraus resultierenden Auslastung von 83,5 % findet das Festival Theater der Welt 2017 am heutigen Sonntag, den 11. Juni seinen erfolgreichen Abschluss.  


Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, resümiert:
„18 prall gefüllte Festivaltage sind vorbei. Eindrucksvoll haben Künstlerinnen und Künstler gezeigt, welche Themen die Theater der Welt derzeit bewegen. Die Veranstaltungen haben begeistert, polarisiert oder zu Diskussionen angeregt. Nicht nur das Festivalzentrum auf dem Baakenhöft, sondern auch viele thematische Bezüge haben den Hafen als Ort der Ankunft und der Begegnung in den Mittelpunkt gerückt und so den Anschluss an hochaktuelle Debatten ermöglicht. Die künstlerische Auseinandersetzung hat vielen Gästen neue Blickwinkel ermöglicht - auf den Hafen, auf Hamburg und auf die Fragen unserer Zeit. Vor allem aber hat das Festival auf großartige Weise demonstriert, welche gesellschaftliche Kraft im Theater steckt.“
 
Die vier Kuratoren ziehen Bilanz:
„Die Zusammenarbeit zwischen Staatstheater und internationalem Produktionshaus war richtungsweisend für eine Öffnung von Grenzen innerhalb der Theaterlandschaft und zeigt Formen- und Stilvielfalt der internationalen Kunstschaffenden. Mit allein 12 Uraufführungen im Hauptprogramm hat das Festival sich offensiv dafür entschieden, neue Arbeiten mit internationalen Künstlern in Hamburg zu produzieren. Produktionen wie „The Song of Roland“ von Wael Shawky und die neuen Arbeiten  von Bruno Beltrão und Wunderbaum werden von Hamburg aus internationale Touren starten. Christiane Jatahy setzt ihre Arbeit am Thalia fort.“
(Amelie Deuflhard, Sandra Küpper, Joachim Lux, András Siebold – künstlerisches Programm Theater der Welt 2017)
 
Das Festival hat verschiedenste Orte der Stadt mit über 330 Veranstaltungen bespielt. Die 44 internationalen Produktionen, davon 27 Ur- und Erstaufführungen, zeigten eine große Bandbreite an künstlerischen Ausdrucksformen, kulturellen Hintergründen und vielfältigen Themen. Theater der Welt 2017 ermöglichte damit einen multiperspektivischen Blick auf das aktuelle Weltgeschehen sowie auf die zentralen Fragen unserer Zeit und betonte die Bedeutung internationaler Künste in einer globalisierten Welt.
 
Das kuratierte Programm hat ein breites, heterogenes Publikum gefunden. Fachbesucher und Kulturschaffende haben sich durchmischt mit Stammgästen des Thalia Theaters und Kampnagel, mit Hamburger Spontankäufern, Studierenden, Familien und einem großem internationalen Publikum. Viele von ihnen haben das Festival nicht nur punktuell besucht, sondern es über einen längeren Zeitraum begleitet.
 
Besonderen Zuspruch fanden die drei großen Produktionen im Kakaospeicher auf dem Baakenhöft sowie die zahlreichen Site-Specific Projekte, wie „Five Short Blasts“ oder „Flyway“, bei denen auch die Hamburgerinnen und Hamburger ihre Stadt auf  neuen Wegen erkunden und Verbindunglinien zwischen Stadt und Hafen auf unmittelbare Weise erfahren konnten. Das Thalia Zelt wurde mit „In 80 Tagen um die Welt“ zum Festivalhighlight für die ganze Familie. Im Oberhafen bespielten zwei Produktionen aus Südafrika und den Niederlanden die Lagerhallen am ehemaligen Güterbahnhof. Eine räumlich einmalige Erfahrung im Thalia Theater bot die Produktion „Lady Eats Apple“ des australischen Back to Back Theatre, die den Bühnenraum des Theaters in einer poetisch, berührenden Inszenierung in eine große Blase hüllten. Auf Kampnagel wurden mit Theater der Welt 2017 alle großen und kleinen Hallen der Kulturfabrik bespielt. Unter dem Titel „OverFlow“ fand zum Abschluss des Festivals auf Kampnagel der Fachkongress „Performance Studies international“ mit rund 600 Teilnehmern erstmals in Hamburg statt. Eröffnet wurde der Kongress durch eine Keynote der Klimaktivistin Vandana Shiva.
 
Mit der Bespielung des Hafens durch den zur Bühne transformierten Kakaospeicher, die Einbindung des Kulturortes im Oberhafenquartier und das Festivalzentrum HAVEN wurde öffentlicher Raum zurückerobert. Die Hamburger geheimagentur hat in ihrer Performance „Ports“ eine Vision für eine langfristige Nutzung der Baakenhöft Fläche entworfen und arbeitet auch in zukünftigen Workshops daran, das Areal mit Blick auf den kolonialgeschichtlichen Hintergrund als ursprünglichen Afrika Terminal zu erhalten und künstlerisch zu bespielen.
 
Das Festivalzentrum HAVEN hat sich innerhalb kürzester Zeit bei sommerlichen Temperaturen zum Publikumsmagneten entwickelt. Als ein die unterschiedlichen Spielstätten verbindender Ort war es Treffpunkt für Künstlerinnen und Künstler bei Premierenfeiern sowie Ort des Austausches und des Verweilens für Zuschauer vor und nach den Vorstellungen. Neben den Festivalgästen hat das HAVEN aber auch als neuer temporärer  Begegnungsort in der HafenCity mit dem dort entstandenen Netzwerk und einem eigens dafür entwickelten Programm zahlreiche Besucher und Besucherinnen angezogen.
 
Dr. Thomas Engel, Direktor des ITI, dankt im Namen des Internationalen Theaterinstituts allen Partnern für ein erfolgreiches Festival:
„Dank der gemeinsamen Anstrengung konnte Theater der Welt 2017 das Hamburger Publikum erneut zu einem Marathon der weltweiten Theaterkulturen verführen. Bei der Hamburger Ausgabe ist es gelungen, die Basisfinanzierung einmalig um 1,2 Millionen Euro zu erhöhen um die notwendigen Spielräume für das Festival in einer Metropolenstadt zu ermöglichen. Das ITI ist zuversichtlich, dass die mit den politischen Entscheidungsträgern in Gang gekommene Diskussion über die Anhebung der seit über 20 Jahren bei 2,8 Millionen Euro stagnierenden Basisfinanzierung von Theater der Welt dank des starken Hamburger Engagements der Förderer Früchte tragen wird.“

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