ITI - Deutschland
Deutsches Zentrum des Internationalen Theaterinstituts
  • BATTLER’S OPERA beim ZadARSnova Festival (Kroatien) in Kooperation mit Brakula e.V. Hamburg, gefördert im Rahmen von Szenenwechsel. Foto: Mario Ilic

  • ITI-Jahrestagung 2018, Runder Tisch mit Dorothea Marcus, Krystel Khoury, Maryam Abu Khaled und Amal Omran. Foto: ITI

  • Performance „Metamorphoses“ von Ivanka Kocevska, Beitrag des ITI-Zentrums Mazedonien zu 70 Jahren ITI-Weltverband (Foto: Ivan Alusevski)

  • Theater der Welt Logos

  • Sommergäste, Schaubühne Berlin (Foto: Thomas Aurin)

  • 2018 - 70 Jahre Internationales Theaterinstitut

  • Gründung des ITI-Weltverbandes 1948

  • Angie Hiesl Produktion: x-mal Mensch Stuhl

  • Power of Diversity - the Crossing Lines Projekt, Aktionstheater PAN.OPTIKUM | Fotografin: Jennifer Rohrbacher

  • „Physisches Theater“ – Deutsch-französischer Workshop, ITI - Mime Centrum Berlin

  • Draußen vor der Tür. Tmuna Theatre Tel Aviv 2017, Regie: Matthias Gehrt, Foto: Eyal Landesman

  • Gründung des ITI-Weltverbandes, Prag 1948

Manfred Linke im Alter von 81 Jahren verstorben

George Tabori und Manfred Linke im Gespräch, Quelle: Berliner Festspiele

„…halte ich das für eine äußerst kurzschlüssige Entscheidung, die nach meiner Meinung die Folgen einer solchen Maßnahme – halten zu Gnaden! – nicht bedacht hat.“

So protestierte Manfred Linke unverwechselbar in einem seiner letzten Schreiben gegen die beabsichtigte Abwicklung des Thalia-Theaters in Halle.

Der gelernte Kaufmann für Industrie-Bau stammte aus Halle an der Saale. Ende der 50er Jahre studierte er an der Freien Universität Berlin Theaterwissenschaft, Germanistik und Publizistik und promovierte 1967 über den Düsseldorfer Regisseur Gustav Lindemann. Nebenbei arbeitete er als Regiemitarbeiter bei den Bayreuther Festspielen, als Regie- und Dramaturgieassistent in Berlin und Hannover sowie als Lektor für den Verlag Felix Bloch Erben, wo er auch die Carl Sternheim Gesamtausgabe mitbetreute. Eine Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Germanistik an der Freien Universität in Berlin schloss Ende der 60er Jahre an, die schon bald begleitet wurde von einer Assistenz beim neu gegründeten Forum Junger Bühnenangehöriger des Berliner Theatertreffens. Das Forum, das ganze Generationen junger Theatermacher im deutschsprachigen Raum, später international, vernetzte und unvergessen prägte, leitete er souverän sechsunddreißig Jahre.

1982 übernahm er von Joachim Werner Preuß die Geschäftsführung des bundesdeutschen ITI-Zentrums und wurde 1985 dessen erster hauptamtlicher Geschäftsführer. Da war er bereits im Board – später Sekretär - des internationalen Communication Committee, dessen Publikationen – das „World Theatre Directory“ und die zweijährliche Essaysammlung zu aktuellen Entwicklungen in fast allen Theaterländern „The World of Theatre“ - er über ein Jahrzehnt verantwortete. Auch an der groß angelegten sechsbändigen "World Encyclopedia of Contemporary Theatre" war er als Berater maßgeblich beteiligt. Das bundesdeutsche Zentrum brachte unter seiner Leitung zahlreiche Publikationen heraus, darunter den attraktiven mehrsprachigen Bildband zum Theater der Bundesrepublik „Theater/Theatre 1967-1982“, der zum ITI-Weltkongress in Ostberlin 1983 präsentiert wurde. Mit der bisher einzigen Chronik des deutschen ITI begann er seine Amtszeit und legte 1994 eine überarbeitete und aktualisierte Auflage vor, nachdem er die Geschäfte des ITI 1991 an seinen Nachfolger übergeben hatte. Wichtige Pionierarbeit leistete er zusammen mit Dietmar N. Schmidt mit der Gründung der Mülheimer Übersetzerbegegnung im Rahmen der Mülheimer Theatertage 1985.

Der Fall des Eisernen Vorhangs und die Zusammenführung der beiden deutschen ITIs fiel in seine Amtszeit – doch schon vorher war er auf der Ost-West-Achse unterwegs, Richtung Polen, ins Baltikum und die Sowjetunion. Hier als Deutscher, der den Krieg noch miterlebt hatte, möglichst frühzeitig gute Kulturbeziehungen aufzubauen, war ihm besonders wichtig. Und nicht zuletzt erforderte das Verhältnis vom in Westberlin mit seinem Sonderstatus ansässigen BRD-Zentrum zum DDR-Zentrum in Ost-Berlin besondere Diplomatie. Hier bewährte sich die deutsch-deutsche Leitung des Musiktheaterkomitees.

So war es nur folgerichtig, dass Manfred Linke seit der Gründung des Festivals „Neue Stücke aus Europa“ 1992 in Bonn mit im Team war und half, mit Tankred Dorst und Manfred Beilharz ein großes Netzwerk der Theaterautoren aufzubauen. Und weiterhin führten ihn Vorträge und Einladungen zu zahlreichen Tagungen und Festivals in alle Welt. Freundschaften und in einem langen Berufsleben gewachsene Kontakte verbanden ihn mit vielen Menschen.

Im Alter von 81 Jahren ist Manfred Linke am 8. April in Berlin verstorben.

 

Thomas Engel, Direktor ITI Zentrum Deutschland