ITI - Germany
German Centre Of The International Theatre Institute
  • Den Veränderungsdruck, der auf Theatern lastet, erörterte die Fachtagung zum Theaterpreis des Bundes 2019 in Gera. | © Eva Radünzel

PREISVERLEIHUNG THEATERPREIS DES BUNDES UND TAGUNG "DIALOG MIT DER STADTGESELLSCHAFT"

Fotos: Ⓒ Eva Radünzel (Mit Klick vergrößern)

Tagung: "Dialog mit der Stadtgesellschaft"

Am 27. Mai 2019 fand die Preisverleihung des Theaterpreis des Bundes 2019 und die Tagung "Dialog mit der Stadtgesellschaft" im Theater Gera statt.

Die Tagung, die das ITI im Rahmen der Preisverleihung ausrichtete, brachte rund 120 Teilnehmer*innen aus allen Bereichen der Theaterlandschaft in einen intensiven Dialog. Impulsvorträge der Kulturforscherin Hilke Berger und Wolfgang Schneider vom Kulturpolitischen Institut der Universität Hildesheim stießen die Diskussion an. Hilke Berger insbesondere durch einen kritischen Blick auf den Begriff der Partizipation; Wolfgang Schneider mit dem Rundumschlag zu kulturpolitischen Initiativen für das „Theater in der Provinz“, die nicht nur das Stadttheater, sondern auch die freie Szene und das Amateurtheater in den Blick nehmen sollten.

Von der Theorie in die Praxis führten dann 13 Gesprächskreise, die konkret Projekte der Preisträger*innen und von Häusern, die sich um den Theaterpreis beworben hatten, ins Gespräch brachten. Beispiele: Welche große Rolle eine langfristige Vermittlungsarbeit spielt, wurde am Beispiel der Geraer Theaterfabrik deutlich; wie ein Publikum durch die konkrete Auseinandersetzung mit der Flensburger Stadtgeschichte erreicht wird, zeigte das Theater Pilkentafel; welch langen Atem es braucht, um die Bürger*innen einer Stadt in das Projekt „Staging Democracy“ zu involvieren, berichtete das Lichthof Theater aus Hamburg; wie wirklich aktuelle Stücke für Kinder entstehen, weil die Trennung von Theatermacher*innen und Theaterpädagogik im Piccolo Theater Cottbus aufgehoben wird; wie aus einem inklusiven Projekt eine Theaterarbeit mit eigener künstlerischer Qualität wird – diese Erfahrung teilte das Theater Thikwa aus Berlin. Eine Zusammenfassung aller Gesprächskreise wird Teil der Dokumentation.

Der zweite Teil der Tagung unter dem Titel „Theater unter Druck?“ konfrontierte die Theaterverbände mit drei Impulsen, die von den Theaterhäusern nicht allein den Dialog mit der Stadtgesellschaft forderten, sondern auch die damit verbundene, notwendige Änderung von Sichtweisen und Strukturen in den Häusern. Laura Kiehne (ensemble-netzwerk) und Sören Fenner (art but fair) plädierten eindringlich für faire Entlohnung und gerechtere Strukturen an den Theatern. Eine Forderung, der sich Marc Grandmontagne (Deutscher Bühnenverein), Dorothee Starke (INTHEGA) und Anne Schneider (Bundesverband Freie Darstellende Künste) nicht verschließen wollten. Vor allem, weil alle in einem Theater, das von traditionellen Hierarchien befreit wird und bereichert durch Respekt und künstlerischen Dialog auf Augenhöhe, ein großes Potenzial auch für den Dialog mit der Stadtgesellschaft sahen. Auf diese offene, sich in die Gesellschaft einbringende Theater setzte auch Christophe Knoch (Die Vielen). Teilhabe gesellschaftlicher Gruppen am Kulturangebot der Theater ermöglichen wollen, heißt auch Teilnehmen an dem, was in der Gesellschaft diskutiert wird. Dorothee Starke lud Knoche ausdrücklich zur nächsten INTHEGA-Tagung ein und zeigte hier wie in weiteren Statements, dass die Gastspieltheater eine ernst zu nehmende weitere Säule der Theaterlandschaft sind.

Für das Internationale Theaterinstitut (ITI) brachte es Kay Wuschek auf diese beiden Punkte: Theater sollten sich einbringen in die Gesellschaft, sollten zuhören und teilnehmen an dem, was für Andere gesellschaftliche Fragen und kulturelle Gemeinschaft bedeutet. Und sie sollten darin nicht ein Aufholen von Defiziten, sondern ein großes Potenzial ihrer künstlerischen Entwicklung sehen.

Ein Ausblick, der Mut macht und Kraft gibt, auch angesichts der Fragen, die mit der Europawahl (und der Kommunalwahl in Thüringen) auch die Diskussion bestimmten. „Die Kunst ist frei und sie wird es immer bleiben“, war der Kernsatz der Rede von Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei der anschließenden Preisverleihung. Monika Grütters würdigte die künstlerischen Leistungen der Preisträger*innen als Beispiel einer großen Vielfalt der Theaterlandschaft. Einer Vielfalt, die durch die Länder und Kommunen ermöglicht wird, und in der Künstler*innen immer wieder Denkanstöße für die gesellschaftlichen Fragen geben.

Dafür auch vor Ort die politischen Haltungen, Unterstützungen und das gesellschaftliche Klima zu schaffen – das brachten Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb und Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff mit Engagement und starken Statements zum Ausdruck.

 

Preisträgertheater

Die Jury des diesjährigen Theaterpreis des Bundes, bestehend aus Jörg Albrecht, Sophie Diesselhorst, Dorte Lena Eilers, Bettina Jahnke, Ulrike Kolter und Matthias Schulze-Kraft hat entschieden. Elf Theater werden mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet. Neben der bundesweiten Aufmerksamkeit bedeutet dies auch 75.000€ für künstlerische Vorhaben, die jedem Theater zukommen.

Die Preisträgertheater sind:

                  Theater Thikwa, Berlin

                  Piccolo Theater Cottbus

                  Theater Erlangen

                  Theaterwerkstatt Pilkentafel, Flensburg

                  Boat People Project, Göttingen

                  Oper Halle

                  Helios Theater, Hamm

                  Puppentheater Magdeburg

                  Landestheater Schwaben, Memmingen

                  Ringlokschuppen Ruhr, Mülheim

                  Theater Rampe, Stuttgart

 

Die ausführlichen Jurybegründungen finden Sie  PDF hier.

Hier gelangen Sie zur vollständigen Pressemitteilung der deutschen Geschäftsstelle des  Internationalen Theaterinstituts und zur Pressemitteilung der  PDF Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters.

Der Preis richtet sich an kleine und mittlere Theater, die mit ihrem kulturellen Angebot, mit Theaterproduktionen, Gastspielen und partizipativen Projekten in die Stadtgesellschaft hineinwirken. Vor allem auf Häuser jenseits der Metropolen, abseits der Theaterzentren sollte der Blick gerichtet werden. Und so sind unter den Preisträgern nur zwei Theater aus Städten mit mehr als 300.000 Einwohner*innen.

Preisträgervorstellung Theaterpreis des Bundes 2019: Die Videotrailer