Botschaft zum Welttheatertag 2011

Theater als humanitäre Aufgabe

 

Die Feiern zum heutigen Welttheatertag sind ein authentischer Ausdruck des immensen Potentials von Theater, Gemeinschaften zu aktivieren und Trennendes zu überwinden.


Können Sie sich vorstellen, dass Theater ein kraftvolles Instrument im Dienst des Friedens und der Aussöhnung sein kann? Regierungen investieren Unsummen von Geld für Friedenstruppen in Krisengebieten, aber kaum jemand nimmt Theater als eine wirkliche Alternative wahr, um Konflikte bearbeiten und zu lösen Wie sollen die Bewohner unserer Welt globalen Frieden schaffen, wenn die Mittel dazu von außen und von anscheinend repressiven Mächten kommen?


Der Mensch ist in tiefster Seele von Angst und Misstrauen erfüllt. Theater setzt hier ganz subtil an, indem es das Selbstbild verändert und so eine Welt voller Alternativen für den einzelnen und damit auch die Gemeinschaft aufzeigt. Theater kann täglichen Realitäten Sinn verleihen, die Zukunft weniger ungewiss machen. Es kann sich in ganz einfacher und direkter Weise in die Politik, in gesellschaftliche Verhältnisse einmischen. Weil Theater alle einbezieht, kann es eine Erfahrung vermitteln, die hilft, falsche Konzepte zu korrigieren.


Und es ist ein bewährtes Mittel, um kollektive Ideen, die uns wichtig sind und für deren Erhalt wir zu kämpfen bereit sind, zu verteidigen und voranzutreiben.


Wollen wir eine friedliche Zukunft entwerfen, müssen wir anfangen, friedliche Mittel einzusetzen, die die Rolle jedes Einzelnen verstehen, respektieren und anerkennen. Theater ist diese universelle Sprache, in der wir die Botschaft von Frieden und Versöhnung formulieren können.


Indem Theater Spieler und Publikum aktiviert, hat es schon manchem die Möglichkeit eröffnet, frühere Auffassungen zu verwerfen, auf der Basis gewonnener Erkenntnisse neu anzufangen und eine neue Wahl für sein Leben zu treffen. Damit das Theater wie andere Kunstformen auch gedeihen kann, müssen wir einen mutigen Schritt nach vorn tun, es in unseren Alltag hinein nehmen und schwierige Themen wie "Konflikt" und "Frieden" zu seinem Gegenstand machen.


In vielen vom Krieg zerrissenen Regionen der Welt, dort, wo chronische Armut herrscht oder die Menschen unter Seuchen leiden, gilt Theater als Mittel zur sozialen Veränderung. Es gibt eine wachsende Zahl von Beispielen dafür, dass Theater erfolgreich Öffentlichkeit mobilisieren kann, Bewusstsein bildet oder bei der Verarbeitung von Kriegstraumata helfen kann. Kulturelle Plattformen wie das Internationale Theaterinstitut, dessen erklärtes Ziel es ist, "den Frieden und die Freundschaft zwischen den Völkern" zu festigen, sind hier bereits aktiv.


Es wäre deshalb Hohn, in Zeiten wie den unseren und im Bewusstsein der Macht von Theater still zu halten und den Waffenträgern und Bombenwerfern unserer Welt das Amt des Friedenswächters zu überlassen. Wie könnten wohl Werkzeuge der Feindschaft gleichzeitig dem Frieden und der Versöhnung dienen?


Heute am Welttheatertag bitte ich Sie dringend, diese Perspektive zu bedenken und die Rolle des Theaters als universelles Medium zum Dialog, als Mittel zur gesellschaftlichen Umgestaltung zu stärken. Die Vereinten Nationen geben viel Geld aus für Friedensmissionen rund um den Globus, alle unter Einsatz von Waffen. Theater dagegen ist eine spontane, menschliche, billigere und weitaus leistungsfähigere Alternative.


Es gibt viele Möglichkeiten, für den Frieden zu arbeiten - ganz gewiss aber sollte Theater Bestandteil jeder Friedensmission sein.

Jessica A. Kaahwa, Uganda
Autorin, Schauspielerin, Regisseurin, Theaterwissenschaftlerin