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Deutsches Zentrum des Internationalen Theaterinstituts
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Theater der Welt 2017 // Bilanz: Über 47.000 Besucher an 18 Festivaltagen

Insgesamt besuchten über 47.000 Menschen in den vergangenen achtzehn Tagen die vielen internationalen Produktionen, das umfangreiche Diskurs- und Begleitprogramm, die zahlreichen Musikveranstaltungen, die Vermittlungsangebote und das Festivalzentrum HAVEN auf dem Baakenhöft in der HafenCity.

Mit rund 32.000 Besuchern der 44 internationalen Produktionen des Hauptprogramms und einer daraus resultierenden Auslastung von 83,5 % findet das Festival Theater der Welt 2017 am heutigen Sonntag, den 11. Juni seinen erfolgreichen Abschluss.

 
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, resümiert:
„18 prall gefüllte Festivaltage sind vorbei. Eindrucksvoll haben Künstlerinnen und Künstler gezeigt, welche Themen die Theater der Welt derzeit bewegen. Die Veranstaltungen haben begeistert, polarisiert oder zu Diskussionen angeregt. Nicht nur das Festivalzentrum auf dem Baakenhöft, sondern auch viele thematische Bezüge haben den Hafen als Ort der Ankunft und der Begegnung in den Mittelpunkt gerückt und so den Anschluss an hochaktuelle Debatten ermöglicht. Die künstlerische Auseinandersetzung hat vielen Gästen neue Blickwinkel ermöglicht - auf den Hafen, auf Hamburg und auf die Fragen unserer Zeit. Vor allem aber hat das Festival auf großartige Weise demonstriert, welche gesellschaftliche Kraft im Theater steckt.“
 
Die vier Kuratoren ziehen Bilanz:
„Die Zusammenarbeit zwischen Staatstheater und internationalem Produktionshaus war richtungsweisend für eine Öffnung von Grenzen innerhalb der Theaterlandschaft und zeigt Formen- und Stilvielfalt der internationalen Kunstschaffenden. Mit allein 12 Uraufführungen im Hauptprogramm hat das Festival sich offensiv dafür entschieden, neue Arbeiten mit internationalen Künstlern in Hamburg zu produzieren. Produktionen wie „The Song of Roland“ von Wael Shawky und die neuen Arbeiten  von Bruno Beltrão und Wunderbaum werden von Hamburg aus internationale Touren starten. Christiane Jatahy setzt ihre Arbeit am Thalia fort.“
(Amelie Deuflhard, Sandra Küpper, Joachim Lux, András Siebold – künstlerisches Programm Theater der Welt 2017)
 
Das Festival hat verschiedenste Orte der Stadt mit über 330 Veranstaltungen bespielt. Die 44 internationalen Produktionen, davon 27 Ur- und Erstaufführungen, zeigten eine große Bandbreite an künstlerischen Ausdrucksformen, kulturellen Hintergründen und vielfältigen Themen. Theater der Welt 2017 ermöglichte damit einen multiperspektivischen Blick auf das aktuelle Weltgeschehen sowie auf die zentralen Fragen unserer Zeit und betonte die Bedeutung internationaler Künste in einer globalisierten Welt.
 
Das kuratierte Programm hat ein breites, heterogenes Publikum gefunden. Fachbesucher und Kulturschaffende haben sich durchmischt mit Stammgästen des Thalia Theaters und Kampnagel, mit Hamburger Spontankäufern, Studierenden, Familien und einem großem internationalen Publikum. Viele von ihnen haben das Festival nicht nur punktuell besucht, sondern es über einen längeren Zeitraum begleitet.
 
Besonderen Zuspruch fanden die drei großen Produktionen im Kakaospeicher auf dem Baakenhöft sowie die zahlreichen Site-Specific Projekte, wie „Five Short Blasts“ oder „Flyway“, bei denen auch die Hamburgerinnen und Hamburger ihre Stadt auf  neuen Wegen erkunden und Verbindunglinien zwischen Stadt und Hafen auf unmittelbare Weise erfahren konnten. Das Thalia Zelt wurde mit „In 80 Tagen um die Welt“ zum Festivalhighlight für die ganze Familie. Im Oberhafen bespielten zwei Produktionen aus Südafrika und den Niederlanden die Lagerhallen am ehemaligen Güterbahnhof. Eine räumlich einmalige Erfahrung im Thalia Theater bot die Produktion „Lady Eats Apple“ des australischen Back to Back Theatre, die den Bühnenraum des Theaters in einer poetisch, berührenden Inszenierung in eine große Blase hüllten. Auf Kampnagel wurden mit Theater der Welt 2017 alle großen und kleinen Hallen der Kulturfabrik bespielt. Unter dem Titel „OverFlow“ fand zum Abschluss des Festivals auf Kampnagel der Fachkongress „Performance Studies international“ mit rund 600 Teilnehmern erstmals in Hamburg statt. Eröffnet wurde der Kongress durch eine Keynote der Klimaktivistin Vandana Shiva.
 
Mit der Bespielung des Hafens durch den zur Bühne transformierten Kakaospeicher, die Einbindung des Kulturortes im Oberhafenquartier und das Festivalzentrum HAVEN wurde öffentlicher Raum zurückerobert. Die Hamburger geheimagentur hat in ihrer Performance „Ports“ eine Vision für eine langfristige Nutzung der Baakenhöft Fläche entworfen und arbeitet auch in zukünftigen Workshops daran, das Areal mit Blick auf den kolonialgeschichtlichen Hintergrund als ursprünglichen Afrika Terminal zu erhalten und künstlerisch zu bespielen.
 
Das Festivalzentrum HAVEN hat sich innerhalb kürzester Zeit bei sommerlichen Temperaturen zum Publikumsmagneten entwickelt. Als ein die unterschiedlichen Spielstätten verbindender Ort war es Treffpunkt für Künstlerinnen und Künstler bei Premierenfeiern sowie Ort des Austausches und des Verweilens für Zuschauer vor und nach den Vorstellungen. Neben den Festivalgästen hat das HAVEN aber auch als neuer temporärer  Begegnungsort in der HafenCity mit dem dort entstandenen Netzwerk und einem eigens dafür entwickelten Programm zahlreiche Besucher und Besucherinnen angezogen.
 
Dr. Thomas Engel, Direktor des ITI, dankt im Namen des Internationalen Theaterinstituts allen Partnern für ein erfolgreiches Festival:
„Dank der gemeinsamen Anstrengung konnte Theater der Welt 2017 das Hamburger Publikum erneut zu einem Marathon der weltweiten Theaterkulturen verführen. Bei der Hamburger Ausgabe ist es gelungen, die Basisfinanzierung einmalig um 1,2 Millionen Euro zu erhöhen um die notwendigen Spielräume für das Festival in einer Metropolenstadt zu ermöglichen. Das ITI ist zuversichtlich, dass die mit den politischen Entscheidungsträgern in Gang gekommene Diskussion über die Anhebung der seit über 20 Jahren bei 2,8 Millionen Euro stagnierenden Basisfinanzierung von Theater der Welt dank des starken Hamburger Engagements der Förderer Früchte tragen wird.“

 

Pressekonferenz zur Vergabe des Festivals nach Hamburg, 19.6.2015

Materialverwaltung Hamburg, 19.6.2015, v.l.n.r.: Andras Siebold, Sandra Küpper, Thomas Engel, Barbara Kisseler, Joachim Lux, Amelie Deuflhard

Das internationale Festival der darstellenden Künste findet vom 25. Mai bis 11. Juni 2017 in Hamburg statt. Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler, das Internationale Theaterinstitut, das ausrichtende Thalia Theater und Kampnagel stellten in einer ersten Pressekonferenz am 19. Juni 2015 in der Hanseatischen Materialverwaltung ihr Konzept für das Theaterfestival in Hamburg vor.

Hamburg hatte sich für das Eröffnungsjahr der Elbphilharmonie um die Austragung beworben und wird nun 2017 gleich zwei kulturelle Glanzlichter präsentieren können. Das Festival wird mit zahlreichen Theaterproduktionen aus allen Teilen der Welt einen einzigartigen Überblick über die Vielfalt des zeitgenössischen internationalen Theaters geben.

Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler: „Das Festival Theater der Welt wird 2017 in der Theaterstadt Hamburg stattfinden und zahlreiche exzeptionelle Theatergruppen und andere Kreationen der darstellenden Künste in unsere Stadt bringen. Theater der Welt – ein Festival des Internationalen Theaterinstituts (ITI) ist ein Publikumsmagnet für die hamburgische Bevölkerung ebenso wie für Gäste aus aller Welt und wird den ausgezeichneten Ruf Hamburgs als Theater- und Kulturstadt weiter stärken.“

Das Festival des Internationalen Theaterinstituts (ITI) ereignet sich alle drei Jahre in einer anderen deutschen Stadt. Die Städte müssen sich als Austragungsort bewerben und werden vom ITI ausgewählt. In seiner 15. Ausgabe wird das Theater der Welt nach 1979 – damals von Ivan Nagel noch unter dem Titel „Theater der Nationen“ veranstaltet - und nach 1989 (Jürgen Flimm) zum dritten Mal nach Hamburg kommen. Dr. Thomas Engel, Geschäftsführer des ITI Deutschland: „Die Vielfalt der Sprachen der darstellenden Künste zu erleben und künstlerische Projekte als politische Positionen zu begreifen – das ist der Kern von Theater der Welt, mit dem das ITI seine Arbeit einem großen Publikum vorstellt. Wir freuen uns, dass Theater der Welt an seinen Geburtsort zurückkehrt, an dem es sich als Fest des Welttheaters im kollektiven Gedächtnis Hamburgs verankert hat. Theater der Welt hat in Deutschland Pionierarbeit bei der Herausbildung der Weltoffenheit unserer Kultur geleistet und erfindet sich für jede Stadt, in der es gastiert, neu.“

Veranstalter des Festivals wird das Thalia Theater sein, das auch das Grundkonzept für Theater der Welt 2017 entwickelt hat. Joachim Lux, Intendant Thalia Theater: „Theater der Welt 2017 will das Festival konzeptionell neu ausrichten und weiter entwickeln. Denn sowohl die Festivallandschaft wie auch die performing arts haben sich in den letzten Jahrzehnten unentwegt verändert und internationalisiert. Überdies findet das Festival erstmals seit vielen Jahren wieder in einer Millionenmetropole statt, deshalb ist es wichtig, einen besonderen Ansatz zu entwickeln: Theater der Welt 2017 will sich intensiv mit der Stadt verbinden, in der es stattfindet und auch kuratorisch aus ihr heraus entwickeln. Hamburg und sein Hafen sind seit jeher Ort des globalen Verkehrs von Waren, Menschen und Kulturen. Von diesem Grundgedanken aus sucht Theater der Welt 2017 den Brückenschlag in die Stadt wie auch zu Künstlern und Komplizen in aller Welt. Zentrales Thema soll der Hafen als gigantischer Umschlagplatz und Ort der modernen Stadtentwicklung sein. Es ist beabsichtigt, das Festival zu Teilen und auch im Hafen selbst stattfinden zu lassen.“

Das künstlerische Programm erarbeiten mit dem Thalia Theater und Kampnagel – beide versierte Festivalexperten – erstmals ein Stadttheater und ein freies Produktionshaus gemeinsam. Darüber hinaus werden zahlreiche Institutionen Hamburgs, wie zum Beispiel das Deutsche Schauspielhaus Hamburg sowie freie Initiativen Teil von Theater der Welt sein. Schwerpunkt des Festivals wird das internationale Gesicht Hamburgs als weltoffene, multikulturelle Metropole sein. Der Hafen wird als wichtiger Aufführungsort einen modernen und offenen Zugang zum Festival für die Stadt und ihre Gäste schaffen. Amelie Deuflhard, Intendantin Kampnagel: „Theater der Welt bietet die großartige Gelegenheit, ortsspezifische Projekte für den Hamburger Hafen mit internationalen Künstlern zu entwickeln. Dadurch wird man Hamburg neu erleben und künstlerisch erforschen können. Der Hafen wird nicht nur Kulisse für das Festival sein, sondern der Ort, mit dem sich die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler auseinandersetzen und für den sie spezifische Arbeiten kreieren. Gerade für solche Projekte hat Kampnagel eine große Expertise, die es gerne mit dem Thalia Theater teilt. Theater der Welt ist auch eine hervorragende Möglichkeit, gemeinsam mit vielen anderen interessierten Kunstorten beziehungsweise Künstlerinnen und Künstlern der Stadt Projekte zu entwickeln. Im besten Fall wird ein großes internationales, spartenübergreifendes Festival entstehen, für das sich unsere Partner aus Hamburg mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern verbünden, um ein stimmiges Programm zum Thema Hafen zu erarbeiten. Dass ein Stadttheater und ein Freies Produktionshaus künstlerisch und kuratorisch für dieses Festival zusammenarbeiten, ist ein klares Signal dafür, dass sich die Theater für zeitgenössische internationale Formen und neuen Produktionsweisen öffnen. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit vielen anderen Kooperationspartnern in der Stadt dem Hamburger Publikum und allen, die für das Festival anreisen werden, ein aufregendes Spektrum künstlerischer Positionen aus unterschiedlichen Kontinenten zu präsentieren.“

Finanziert wird das Festival zu zwei Dritteln durch die Stadt Hamburg und zu einem Drittel durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Darüber hinaus sollen noch weitere Fördergelder eingeworben werden.