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Ungarisches Theater unter Druck
Wie auch aus anderen europäischen Ländern zu lesen (z.B. Niederlande, Bulgarien) wird auch in Ungarn der politische und materielle Druck auf den Kulturbereich alarmierend. Die ungarische Sektion der internationalen Kritikervereinigung IATC hat dazu einen Bericht veröffentlicht, das Portal Nachtkritik hat eine Zusammenfassung der Situation und weiterführende Links, vor allem auch zu einer online-Petion gegen Übergriffe auf die Theaterszene. Anna Lengyel, Übersetzerin und Dramaturgin, stellte uns diesen Brief zur Verfügung: Liebe Freunde der ungarischen Kunst und der Demokratie,Wie man es in der deutschen und der angelsächsischen Presse genau folgen kann (s. die Links unten), baut die neue ungarische Regierung unsere junge Demokratie in Sekundenschnelle ab.Sie schreiben die Verfassung neu; eine zentrale Nachrichtenagentur soll dem öffentlichen Fernsehen und Rundfunk jeden Inhalt liefern, Medien, die nicht schnell und objektiv über wichtige Ereignisse berichten, können für einen faux pas mit 40 bis 100 tausend Euro bestraft werden, doch was objektiv oder wichtig ist, entscheidet allen der Medienrat, dessen für neun (!) Jahre ernannte Leiterin eine loyale ehemalige Angehörige der Fidesz ist, und dessen Mitglieder alle derselben Partei angehören; 12 Jahre Ersparnisse der Privatrentenkassen werden vom Staat eingesteckt und wer sein Geld behalten möchte, wird keine Pension vom Staat erhalten, obwohl sein Arbeitgeber es für ihn weiterhin einzahlen muss usw.Da Fidesz eine Mehrheit von zwei drittel im Parlament hat, wird so gut wie jede Initiative gleich Gesetz und die gegenseitige Kontrolle in jeder Hinsicht abgeschafft. Bis auf den des Notenbankdirektors wird inzwischen jeder Stuhl in der Wirtschaftswelt von einem Quisling der Fidesz besetzt, wie auch der des Generalstaatsanwaltes und anderer entscheidenden Stellen in der Gewaltenteilung. Selbst ins Verfassungsgericht wurden zwei neue loyale Richter ohne die im Gesetzt bestimmte Qualifikationen und Erfahrung ernannt, und dadurch hat auch da die allein führende Rechtspartei eine Mehrheit.Die Situation verschlechtert sich jeden Tag, z. B. fand der Hausausschuss gestern an den von der rechtsextremen Jobbik verwendeten Terminen "Zigeunerkriminalität und Zigeunerterror" nichts auszusetzen.Vor einer Woche organisierte Jobbik eine Demonstration (mit etwa 100 Leuten) gegen den renommierten und künstlerisch, wie auch finanziell äußerst erfolgreichen Intendanten des National Theaters, Róbert Alföldi, der von New York bis Zagreb mehrmals inszeniert und neulich den Preis der Kritiker und der Stadt Budapest für die Erneuerung des Theaters erhalten hat, aber zufällig schwul ist.Demonstranten nannten ihn "einen Schwuchtel, einen Perversen, einen Juden und dem Nationaltheater nicht würdig" und forderten seine Entlassung, obwohl sein Vertrag bis 2013 gilt. Die bis zum ersten Januar noch freie Presse berichtete vorgestern, der Forderung habe die Regierung stattgegeben und den neuen Intendanten genannt, der seit einigen Tagen abends im Nationaltheater sitzt, obwohl er früher nie da war, um "das Ensemble kennenzulernen".Wir fordern, dass Alföldis Vertrag geehrt wird und dass die Regierung
die Finger von der freien Kunst und Presse lässt. Es ist wichtig,
dass diese Petition auch von bekannten internationalen Namen unterschrieben
wird, darum bitten wir Euch, die, wenn Ihr einverstanden seid, zu unterzeichnen
und unseren Brief auch weiterzuleiten. Unter anderen steht schon der Name
Elfriede Jelinek darunter.
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