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Presseinformation vom 08.09.2010 Ermordung eines guatemaltekischen TheaterkollegenAm 25. August wurde der guatemaltekische Regisseur, Schauspieler, Tänzer und Pädagoge Leonardo Lisandro Guarcax von bislang unbekannten Tätern in Nähe des guatemaltekischen Dorfes Chuacruz (Verwaltungsbezirk Sololá) entführt und ermordet. Er befand sich auf dem Weg in die Schule des Ortes, deren Leiter er war. Seine Leiche, die am darauffolgenden Tag gefunden wurde, wies schwere Folterspuren auf. Der international bekannte Künstler, der zum Maya-Volk der Kechquikel gehörte, war einer der wichtigsten Vertreter der Erneuerungsbewegung der Kultur der Mayavölker in Mittelamerika und Mexiko. Seit dem Jahre 2001 leitete er das Kulturzentrum Sotzil Jay in seinem Heimatort El Tablón (Solóa). Mit den Schauspielern, Tänzern und Musikern des Zentrums, erforschte er die vorkolumbianischen Ausdrucksformen der Mayavölker im Tanz, in der Musik und im Theater. Darüber hinaus gab er der Jugendbewegung der Mayavölker, die für die Würde und Anerkennung ihrer unterdrückten Kultur kämpft, entscheidende Impulse. Über die Täter gibt es bislang nur Vermutungen. Fest steht jedoch, dass der Mord im Zusammenhang mit den Aktivitäten des Zentrum steht. Im Jahre 2009 waren zwei Mitglieder des Zentrums, Ernesto und Carlos Emilio Guarcax Gonzalez, ermordet worden. Offensichtliches Ziel dieser Mordserie ist es, das Zentrum zum Schweigen zu bringen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Täter unter rassistischen Gruppierungen der weißen Minderheit des Landes zu suchen sind. Die meisten Verbrechen dieser Art werden nicht aufgeklärt, wie auch der Völkermord an den guatemaltekischen Mayas während der Bürgerkriegszeit weitgehend ungesühnt geblieben ist. Zahlreiche Organisationen der indigenen Bevölkerung, die norwegische Botschaft, sowie Rigoberta Menchú, Trägerin des Friedensnobelpreises fordern von den guatemaltekischen Behörden, sofortige und vollständige Aufklärung des Verbrechens. Leonardo Lisandro Guarcax wurde 32 Jahre alt. Das Internationale Theaterinstitut hat seit 2008 eine Informationsstelle zur Nachverfolgung und Publikation von Verletzung der Menschenrechte und Repressionen gegen Theaterleute in aller Welt eingerichtet.
Weitere Informationen unter www.iti-germany.de Mit freundlichen Grüßen Michael Freundt |