Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat?

Komposition, Inszenierung: Leo Dick
Szenographie: Tassilo Tesche
Libretto: Felizitas Ammann
Musikalische Leitung:
Titus Engel am Freitag, den 21.11.2008
Timo Kreuser am Samstag, den 22.11.2008

Johanna Spyris "Heidi" ist der Inbegriff eines ungetrübten Heimatbildes, einer unbeschwerten Kindheit - Idylle pur vor schneebedeckten Gipfeln und blauem Himmel. Doch was steckt hinter diesem Klischee der heilen Welt? "Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat?" spürt mit dem Instrumentarium der Bergwelt – Alphörnern, Talerbecken, Holzratschen und Tierglocken – einem unentstellten Heimatbegriff nach und versucht, dem Phänomen "Heidi", das wie kaum etwas Anderes für Klischee und Wahrhaftigkeit zugleich steht, auf die Spur zu kommen.

Leo Dick ist 1976 in Basel geboren, begann 1995 in Basel und Bern, Germanistik, Musik- und Theaterwissenschaft zu studieren. 1997 übersiedelte er nach Berlin und nahm an der Hochschule der Künste das Studium der Komposition bei Prof. Friedrich Goldmann auf, das er 2003 abschloss, und studierte daneben Musiktheaterregie an der HfM Hanns Eisler, wo er u.a. an praktischen Meisterkursen von Peter Konwitschny, Barbara Beyer, Willy Decker und Volker Schlöndorff teilnahm. Von 2005 bis 2007 war er Meisterschüler von Georges Aperghis in der Klasse ‚Theâtre musical' an der Hochschule der Künste Bern.

In Zusammenarbeit mit namhaften Formationen wie dem Ensemble Mosaik, dem RIAS-Jugendorchester, dem Ensemble Adapter und den Neubrandenburger Philharmonikern erfolgten Aufführungen seiner Instrumental- und elektroakustischen Werke u. a. im Rahmen der Klangwerkstatt Kreuzberg, der Reihe ‚Unerhörte Musik', des Festivals ‚Ultraschall' in Berlin und in der Neubrandenburgischen Philharmonie. Seine erste Arbeit für die Opernbühne ‚Theatertote' (2001) wurden am internationalen Beethovenfest Bonn, an den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, auf Kampnagel (Hamburg, in Kooperation mit der Staatsoper) und in den Sophiensaelen Berlin gezeigt. Seine szenische Kantate ‚Die Vögel' (2005) brachte der Chor ‚Hark!' in Basel, Bern und Zürich zur Aufführung.

Während eines einjährigen Aufenthaltes in Lyon (2000) beschäftigte er sich im Tonstudio des CNSM bei Denis Lorrain gezielt mit intermedialen Kompositions-techniken und Interaktivität im szenischen Kontext und führte seine Studien später bei Wolfgang Heiniger und Daniel Weissberg fort. In Verarbeitung dieser Erfahrungen entstanden mehrere Werke, die sich zwischen Klanginstallation und Musiktheater-Performance bewegen: ‚Taler, Taler, du musst...' (2007, UA in der Berlinischen Galerie), ‚Chat' (2006, Stadttheater Bern) und ‚Rondel' (2004, Gare du Nord Basel, Ballhaus Naunynstrasse).

Tassilo Tesche studierte an der Accademia di Belle Arti in Venedig Bühnenbild und an der Hochschule der Künste in Berlin Architektur. Es folgten Assistenzen und Kooperationen u.a. bei Robert Wilson, Daniel Libeskind und Christoph Schlingensief. 2003-2005 war er als Bühnenbild-assistent am Luzerner Theater. Schon während seines Studiums war er mit kleineren Arbeiten als Ausstatter an der Schaubühne am Lehniner Platz und am Berliner Ensemble vertreten.

Seit 2005 freischaffend, gestaltete er u. a. Bühne und Kostüme für "Untergrundkrieg" an den Münchener Kammerspielen, "3 Uraufführungen" bei den World New Music Days am Luzerner Theater, "Rossignol/Mavra" am Theater Aachen und zuletzt "Gift" am Schlachthaustheater Bern und dem Theater an der Winkelwiese.


Felizitas Amman
studierte Germanistik, Theater- und Kunstwissenschaft in Basel, Bern und Berlin und schloss 2002 mit Lizentiat ab. Während des Studiums fertigte sie experimentelle Kurzfilme, führte Regie im Bereich Jugendtheater und assistierte am Theater Basel u.a. bei Peter Palitzsch und John von Düffel. 2002 bis 2003 war sie wissenschaftliche Assistentin und Dozentin am deutschen Seminar der Universität Basel.

Seither arbeitet sie als freischaffende Journalistin und Kritikerin u.a. für den Tages-Anzeiger Zürich, Schweizer Radio DRS2, Theater der Zeit und nachtkritik.de. 2006 verfasste sie den Schlussbericht des "Projekt Tanz", einer Neukonzeption der Förderung des Schweizer Tanzschaffens von Bundesamt für Kultur und Pro Helvetia. Ebenfalls 2006 Regieassistenz bei "Cargo Sofia Basel" von Stefan Kägi (Rimini Protokoll) am Theater Basel. Ausserdem freie Dramaturgin im Theater- und Tanzbereich, zuletzt für Sandra Schöll (corporeal. prod.) in Basel. Felizitas Ammann lebt in Zürich.

Titus Engel studierte Musikwissenschaft und Philosophie in Zürich und Berlin (Magisterarbeit über György Kurtágs Grabstein für Stephan), sowie Dirigieren bei Christian Kluttig an der Hochschule für Musik Dresden. Er wurde von 2002 bis 2005 vom DIRIGENTENFORUM des Deutschen Musikrats gefördert. 2003 war er Fellow von David Zinmans American Academy of Conducting at Aspen. Als Assistent von Sylvain Cambreling, Peter Rundel, Marc Albrecht, Lothar Zagrosek und Markus Stenz leitete er Proben und Einstudierungen an der Deutschen Oper Berlin, an der Opéra de Paris, bei der Jungen Deutschen Philharmonie, dem WDR Symphonieorchester und dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks. Herausragende Produktionen seiner Assistenztätigkeit waren die Uraufführung von Luciano Berios "Cronaca del luogo" bei den Salzburger Festspielen, die Berliner Erstaufführung von Olivier Messiaens "Saint François d'Assise", sowie die Uraufführung von Isabel Mundrys "Die Odysse - ein Atemzug", bei der er als Co-Dirigent beteiligt war.

Seine breite Dirigiertätigkeit im Bereich der zeitgenössischen Musik nahm im Jahr 2000 seinen Ursprung als er zum musikalischen Leiter des Ensemble Courage Dresden ernannt wurde, das sich seither zu einem der profiliertesten jungen Ensembles Deutschlands entwickelt hat. Als Gast leitet er regelmäßig das Kammerensemble Neue Musik Berlin, das Collegium Novum Zürich, das Ensemble Resonanz Hamburg sowie die Newspeak Group New York. In dieser Spielzeit folgen Debüts beim Ensemble Modern und dem Ensemble Recherche.

Eine Produktion im Rahmen des Fonds Experimentelles Musiktheater, Initiative des NRW-Kultursekretariats und der Kunststiftung NRW in Zusammenarbeit mit dem Theater Bielefeld.


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