ITI Deutschland
Deutsches Zentrum des Internationalen Theaterinstituts
World Organization for the Performing Arts
Mime Centrum Berlin
DruckansichtSuche | Sitemap          DE | EN
Projekte > Welttheatertag und ITI Preis

Welttheatertag und ITI Preis

ITI Preis 2016 zum Welttheatertag an Milo Rau

Foto: Isabel Alvarez

Die Entscheidung für Rau, die auf der Basis einer Umfrage unter den Mitgliedern des deutschen ITI getroffen wurde, begründete ITI-Präsident Joachim Lux: „Milo Rau erregt mit seinem International Institute of Political Murder Anstoß. Er steht für eine Generation, die mit Kompromisslosigkeit auf die sich immer stärker radikalisierende Wirklichkeit reagiert. Haltung beziehend und Haltung einfordernd verleiht Milo Rau dem Theater und der Gesellschaft Impulse, die den Sprengstoff der globalen Konflikte in unsere Mitte holen.“Mit „Mitleid. Zur Geschichte des Maschinengewehrs“ steht derzeit eine Produktion von Rau in der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin auf dem Spielplan, die – wie viele andere seiner Arbeiten auch – unter Verwendung dokumentarischen Materials mit beißender Kritik Globalisierung und Fluchtbewegungen analysiert und dabei mit „zynischem Humanismus“ Mitleidsindustrie und öffentlichen Betroffenheitskitsch aufs Korn nimmt.

Auf Rau zurück geht auch die Gründung des International Institute of Political Murder (IIPM) im Jahr 2007, das sich nach eigenem Bekunden „auf die multimediale Bearbeitung historischer oder gesellschaftspolitischer Konflikte konzentriert: Unter anderem holte die Produktionsgesellschaft die Erschießung des Ehepaars Ceausescu  „Die letzten Tage der Ceausescus“, den ruandischen Völkermord „Hate Radio“ und den norwegischen Terroristen Anders B. Breivik „Breiviks Erklärung“ auf die Bühne.Gegenwärtig bereitet der ITI-Preisträger die Inszenierung "Five Easy Pieces" vor (Premiere Mai/Juni 2016, Kunstfestival Brüssel), die vom Sommer an auch in den Sophiensaelen in Berlin zu sehen sein wird und – für Rau Premiere - erstmals mit Kindern und Jugendlichen entsteht. Regie führt Rau zudem bei einem Hörspiel zum 2. Teil seiner Europa-Trilogie "The Dark Ages", das der WDR demnächst ausstrahlen wird.

Preisverleihung
Die Verleihung des ITI-Preises an Milo Rau findet am 10. April 2016 im Rahmen der Aufführung seines Stückes „Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“ in der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin statt. Die Laudatio hält die österreichische Schriftstellerin und Vizepräsidentin der Akademie der Künste zu Berlin, Kathrin Röggla.

Botschaft zum Welttheatertag von Anatoli Wassiljew

Foto: Laurencine Lot

Der Autor der diesjährigen Botschaft zum Welttheatertag ist der russische Theatermacher und Professor Anatoli Wassiljew. Er ist Gründer der legendären Moskauer Theaterschule „Schule der Dramatischen Kunst“, lehrte und lehrt am Staatlichen Konservatorium »A.V. Lunatscharski« (GITIS), an der staatlichen Filmhochschule (Gerassimow-Institut für Kinematographie) und an der École nationale supérieure des arts et techniques du théâtre (ENSATT) in Lyon. Nach schweren Konflikten mit den Moskauer Behörden verließ Wassiljew 2006 die Moskauer Theaterschule und emigrierte nach Westeuropa. Er arbeitete in Paris, Lyon, London - und wurde drei Jahre später eingeladen, am Bolschoi Theater „Don Giovanni“ zu inszenieren. 2010 richtete Wassiljew in Venedig einen dreijährigen Studiengang für Theaterlehrer ein, der in jährlich stattfindenden zweimonatigen Kursen absolviert werden kann und von Schauspielern, Regisseuren, Ausbildern aus aller Welt besucht wird. 2011 hat er am Grotowski Institut in Wroclaw, Polen, ein zweijähriges Forschungsseminar zu Schauspieltechniken ins Leben gerufen. Aktuell, im März 2016, inszeniert Wassiljew Marguerite Duras' “La Musica Zwei” an der Comédie Française in Paris.

Gründung des Welttheatertages

1961 wurde vom finnischen ITI und unterstützt von den anderen skandinavischen Zentren ein Welttheater-Tag vorgeschlagen. Der IX. ITI-Kongreß in Wien (1961) nahm den Vorschlag einstimmig an und proklamierte den traditionellen alljährlichen Eröffnungstag des Festivals "Theater der Nationen" in Paris, den 27. März, zum Welttheatertag.

Unerwartet war dieser Initiative ein großer, weiterwirkender Erfolg beschieden; in etwa 80 bis 100 Ländern - also vielfach auch dort, wo noch kein ITI-Zentrum bestand - wurde der Welttheatertag schon im ersten Jahr begangen.

International renommierte Theaterleute (u.a. Jean Cocteau, Arthur Miller, Laurence Olivier, Jean-Louis Barrault, Helene Weigel, Miguel Angel Asturias, Peter Brook, Dmitrij Schostakowitsch, Pablo Neruda, Maurice Béjart, Ellen Stewart, Wole Soyinka, Martin Esslin, Jorge Lavelli, Edward Albee, Vaclav Havel) wurden um "Botschaften" gebeten, in denen sie sich mit Bedeutung und Wirkung der Bühnenkunst im gesellschaftlichen Kontext auseinandersetzen. Der Text wird jeweils weltweit verbreitet.

In den letzten Jahren wurden die Botschaften des deutschen Dramatikers Tankred Dorst (2003) und der französischen Regisseurin Ariane Mnouchkine zu leidenschaftlichen Appellen für die kreative Kraft des Theaters.

Bisherige Botschaften

Bisherige Preisträger